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Ödenburg und seine Stadtdörfer
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| 2. Weltkrieg |
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Das Dorf erlebt zur Zeit des zweiten Weltkrieges seine schwersten Prüfungen, seine schwersten Jahre. Der größere Teil der männlichen Bevölkerung ist in der Landwirtschaft beschäftigt und findet in den Kohlenbergwerken von Brennberg Arbeit, die Frauen hingegen tragen die in der Landwirtschaft, im Forst sowie in der Heimindustrie hergestellten Erzeugnisse auf den Markt in Ödenburg. Zur Winterzeit verrichten sie 5-7 Kilometer von zu Hause entfernt Waldarbeiten, beinahe für einen Hungerlohn, der häufig kaum einen Pengö übersteigt.
Nicht selten sehen sich die Männer mit kinderreichen Familien gezwungen, diese Arbeit anzunehmen. Im Winter gibt es keine andere Arbeitsmöglichkeit. Unter weit schwierigeren Verhältnissen als die Agendorfer lebten die Einwohner der Nachbargemeinde Wandorf, einigermaßen ähnlich dem städtischen Proletariat. Die Gemeinde Agendorf ist ein deutschbewohntes Gebiet.
Der 1939 ausgebrochene Krieg war nicht nur von den Dörfern weit, sondern lange Zeit auch vom Land selbst. Für Politik interessierten sich die Einwohner der Gemeinde nicht besonders, jahrzehntelang betrachteten sie ihre Wirtschaft, ihr Fortkommen als das Wichtigste. Die erste Erschütterung durch die Kriegsvorbereitungen ergriff auch die Agendorfer erst 1941, als die Männer zum Militärdienst einberufen wurden.
Es ist eine kennzeichnende Erscheinung dass auch die Kinder immer mehr Kriegsspiele spielten. Jedes Kind will Deutscher, Russe oder Ungar sein. Der Weltkrieg brachte der ganzen Menschheit ein sinnloses Leiden und rief eine Serie von Tragödien hervor. Den größten Verlust bedeuteten die gefallen Soldaten. Nach Agendorf kehrten 116 Männer – darunter auch Familienväter – nie zurück. Ihnen ist ein Denkmal gesetzt. Auf der Marmortafel des Denkmals sind nicht alle Gefallenen namentlich aufgeführt.
Liste der im zweiten Weltkrieg verschollenen, gefallenen Söhne von Agendorf
Gefallene und Vermisste
Vermisste
Während der Luftangriffe suchten Frauen und Kinder in Luftschutzbunkern Zuflucht. In der Gemeinde selbst gab es keine Kämpfe. Die zurückgelassenen Waffen und Munitionen verursachen nach dem Krieg Tragödien. Matthias Huber musste ein Bein amputiert werden, weil es durch eine explodierende Granate so stark verletzt wurde. Ferdinand Leyrer hantierte auf der Waldseite der Hauptstrasse mit einer Waffe, die explodierte. Er wurde dabei so schwer verletzt, dass er starb. Andreas Wödl und Matthias Steiner starben bei Aufräumarbeiten „Robotarbeiten“ auf dem Feld am 18. September 1946. Andreas Böhm, der noch am Grab seiner Kameraden Andreas Wödl und Matthias Steiner Abschied von ihnen nimmt, starb nur einige Tage später, am 21. September 1946, ebenfalls durch „Robotarbeiten“.
Nach dem Krieg führten die Inflation und der rasche Wertverlust des Pengö eine weitere schwierige Lage herbei. Die Einwohner der Gemeinde beglichen mit Schmalz, Mehl, Eiern und Obst das Schulgeld, tauschten Lebensmittel gegen Industriewaren ein. Eine der Aufgaben der Gemeindeleitung war die Verwischung der Kriegsspuren: die Eisenbahnlinie zu reparieren, eine provisorische Eisenbahnbrücke zu bauen, die verlassenen Kraftfahrzeuge, Panzerwagen einzusammeln; Tierkadaver (Pferde) zu begraben.
Die Deutschen sprengten die große Brücke. Der Krieg ließ in der Gemeinde selbst keine besonderen Spuren zurück. Die sog. Front zog am 1. April 1954 schnell vorbei. Auf den Feldern um das Dorf wurden die Leichen zweier sowjetischer Soldaten entdeckt.
Quelle: Agendorfer Mosaik
Andreas Böhm (1991)
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