Auch von Király fühlte sich der deutschen Kultur noch eng verbunden - trotz seiner Loyalität zu Ungarn. Das war eine Haltung, die die nationalmagyarische Seite nicht mehr verstand. Dazu Boronkai sehr treffend: „Die Fremdsprachigkeit war aus der ungarischen Literatur schon längst verbannt, in der kleinbürgerlichen Stadtkultur Ödenburgs bestand aber noch kein Gegensatz zwischen der Deutschsprachigkeit und dem ungarischen Patriotismus der Einwohner. Überreste dieser Einstellung konnten sich bis in die Zeit des „Anschlusskampfes“ um das Burgenland und bis zur Ödenburger Volksabstimmung halten und beeinflussten deren Ausgang entscheidend.

Es wäre verantwortungslos, in diesen kursorischen Überblick über die Geschichte des alten Ödenburg auch noch die Ereignisse zwischen 1918 und 1946 pressen zu wollen. Es gibt schon genug verkürzte Darstellungen, die den Anschlusskampf, die Zwischenkriegszeit und die Vertreibung und damit den Untergang des alten Ödenburg auf ein Niveau reduzieren, das der Komplexität des Geschehens in keiner Weise gerecht wird. Noch immer herrscht in vielen Darstellungen der Ereignisse vom Frühjahr 1918 bis Herbst 1921 die Polemik vor. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn es ist äußerst schwer, die Verhälnisse in der Stadt zu beschreiben und die vielfältigen Motive, die die handelnden Personen und Gruppen bestimmten, zu erfassen.

Mit diesen wenigen Andeutungen zur Komplexität der Vorgeschichte und der Geschichte der Volksabstimmung soll abschließend kurz auf die Zwischenkriegszeit und die Vertreibung eingegangen werden. Die Zwischenkriegszeit brachte den wirtschaftlichen Niedergang der auf drei Seiten isolierten Stadt. „Das sterbende Ödenburg“ wurde die Stadt auf österreichischer Seite, nicht ohne ein bisschen Schadenfreude – genannt. Versuche, eine Lösung etwa in der Form einer Zollbefreiung oder einer Zollfreizone zu finden, wurden in Budapest kategorisch abgelehnt. Nur der Schmuggel blühte.