Chronik der Stadt Ödenburg vom Jahre 1670 bis 1704, geschrieben von Hanns Tschany (gest. 1733), herausgegeben von Iván Páur, Pest; 1858.

Vielen Dank an Michael Floiger, der die Chronik-Inhalte digitalisiert hat und hiermit allen die Möglichkeit gibt am Ödenburger Leben im 17. Jahrhundert teilzuhaben.

Über den Autor und das Buch ist leider nicht viel überliefert, hier das wenige, was wir wissen:

Hanns Tschany war Bürger von Ödenburg und Bergmeister. Er verfasste die Chronik im ausgehenden 17. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert war sie im Besitz der Goldschmiedefamilie Heckenast. Ein Budapester Antiquar kaufte sie, dann kam sie in die Sammlung Jankowich und schließlich in die Bibliothek des Pester Nationalmuseums. In den 1850er Jahren wurde die Chronik von Iván Páur herausgegeben; von diesem Druck existieren aber nur noch sehr wenige Exemplare.

 


 

 

 

 

Hanns Tschanys
Ungarische Chronik
Vom Jahre 1670 bis 1704
Hrsg. von Iván Páur
Pest 1858

Verzaichnus Etlicher Historien so von den 1670 Jahr her geschehen Ihn den Königreich Ungern, und absonderlich bey unser Stath Oedenburg welche ich Hanns Tschany zur sonderlicher Nachricht den Nachkömlingen hab auffgeschriben.

Item Ihn diesen 1670 Jahr, hat man geschwindt, noch ihn Fasching gehörth sagen. Dass der Graff Pedter Seryn, wirt Rebellisch werten, Vndt widter Ihr Kay. Vndt König. May. Leopoltus auss Ziehen, Worüber Vmb Ostern, schon ein grossmechtiger Forcht Vnter den Leyten ist gewest, seines Auss Zugs halber. Ihme aber also Balth. Von den Kay. Völckern der pass ist abgeschnidten worten, Vndt er auff gnadt, vnd vngenadt, doch auff Versprechung anderer Vngerischen Graffen, ess wirt ihme nichts geschehen, sie seyn gut dar für, ihn die Neustath mith den Graff Frängebän gestellet. Item weiln Ihn Ober Vngern. Dergleichen Graffen auch sein gewest, welche Rebellisch worten seyn, Ihr May. Von Ihnen keinen könen Bekommen, sondern sye seyn ihn Süebirgen gewichen, als haben Ihro Kay. May. Leopoltus : Vor pfingsten noch. Durch Herrn General Feldt Marsch. Lieut. Sporckh, eine ansehliche Arme Ihn Ober Vngern geschickt, aldta die Vornembsten Stedte vndt Festung, Mith einen Kaysserlichen presydio Besezet.

 

Anno 1686.  

 

Dieses 1686 Jahr ist Ein gar Wunderliches Jahr, in der Wütterung. Den ess ist ein gar Leytenlicher Wünther ge­west, vnd gar wenig Schnee gehabt, alsso dass der mehrere theil des Mertzen schön Hel vnd warmb ist gewest, dass man den 4-ten Apbril schon weynbeer hat gesehen. Aber ess ist hernach ein getrenckt wordten.

Item In Monath february. Hath ein Jedter Burger vndt Steurmessiger. so Vil er steur sonst hath geben widerumben eine soltaten steur auf dass Rathauss richtig miesen geben.

Ist auch dieses vor Bey gangen allhier Bey vnser Stath, welches In Oedenburg nie geschehen, noch erhert ist worden. Alls dass Ihro Kay. vndt Königl. May. vnsser herrn Burger­meister Herrn Leopold Nädtl welcher der Evangellischen Relligon zu gethan ist, zu Einen frey. Herrn hath gemacht, worüber er auss den Bürgerlichen Standt ist Erhoben Wor­ten. Vndt hat seyn Purgermaister Ampt auff geben In Ein­gang des Manath february, vnd auss den Rath weckh gangen, vndt herrn Johann Ernreich Mezger Subs. welcher da Er von Rath vnd Einer E. Gem. Vrlaub vnd Abschith genohmen, von den Herrn dess Raths. vnd der gern: Vormündtern ist nach Hauss Begleitet worten. Den Zepter aber hath er biss-auff Georgj in seynen Hauss Behalten.

 

Anno 1679 Jahrs Begebenheit.

 Item Ihn diesen 79igsten Jahr, den 28igsten January ist von einem Ehrsammen rath, vndt von einer E: Gem. Ihn Lacknerischen Hause betracht und her auss geben worten, vnd also durch den Gerichts diener nach der Frie vnd nach mit Tags predtig, auss gerufft worten, auff den Blaz, dass sich keiner der kein Burger ist, ob er gleich ein Vnterthan ist, nicht solt Hassen Schiessen gehen, oder zänteln, bey 32 fl. Kay. Straff, wenn ein solcher erdapth wirt werten. Dessgleichen sollt kein Burger sich auch nicht unterstehen in den Indelswalt hassen schiesen zu gehen, bey 32 fl. Straff sondern solcher Tuttleswalth sollt känig gehalten werten.

 

Fiers ändert, wen einer ein Burger seynen weyngarten, nebey seynen Nachbahrn und mithburger weyngarten last 3 Jahr lang ödt ligen, vnd dass seyn nachbar darneben grossen schaden leydt vnd er es nicht kan erdulten, so hat er macht ihn solchen öden weyngarten, durch die hr. bergleit Lassen einen graben aus zu zeigen, vnd hernach zu machen, oder wen ern verlangt gar auss zu schäzen, vnd solche schäzung bey einen E. wohl weissen rath nider zu legen, vnd das geldt auch wie die schäzung auss weissen wirt, was er werth sey, Ist solcher weyngart gar verschriben, so hebt er nicht mehr gelt auff, alss wie er geschäzt wirt, ist er aber nicht verschriben, so hebt der dass gelt auff. den er zue gehört hat der weyngart. Er aber kan solchen weyngart hernach zuerichten wie er wil. Hat kein mensch keinen Zuespruch, sondern ein E. Rath und Gern. wirt solchen dar bei Schüzen vndt Schürmen, Vermög dieses Gem. Schluss, Welcher Dccreth ist bey den Fodtern Thor Öffendlich aussgehenckt Wor­ten etliche Tag. Dass ihm Jederman hath Lössen könen.

 

Anno 1688 Jähriges Auffmercken

 

In diesen 1688 Jahr. Ist ein solcher warmber Wünther gewessen, In welchen ess, vor Weynachten oder hernach kei­nen Schnee gehabt Hath. Biss In Hithen merzen, da ist erst ein grosser schnee gefallen, da die Leuthe Vermeinet haben, er wird den traidt grossen schadten thun, Ist der Erthbothen aber gar trucken gewessen, vndt auff den schnee warmbes wether komen, dass er nie gefroren, Ist demnah dass wasser schön vsrsuncken, vndt Goth Lob In traytern nicht der ge­ringste schaden verspüreret worten.

Item den 18 Marty Ist die Graff Tockellin Müth Ihren Sohn den Jungen fürsten Ragozj, Vnd Ihrer tochter auff Wyen, mit teutscher Salfaquartj von ihren Schloss Mungatsch ankommen, da man auffBefelch Ihr Kay. May. Ihr die Kindter hat wekh genohmen, den Sohn nach Neuhaus In Böhern Werschickt, die tochter dem Vrschallinern zu wyen Ins Klos­ter geben, die Vestung oder zusagen dass Schloss Mungatsch Ihro May. übergeben.

Item Haben Vnssere Fleischhacker. Alss die Stath Mei­ster Heyr vmb Mith fasten das fleisch hacken der Statt auff gesaget, dass sye nimermehr könen hacken, sondern sye ha­ben zu Viel ein gebiest, vnd miessen gar zu grosse Steuer von Handtwerckh geben, also Könen sie nimmermehr bestehen, worüber Ihr Gestr. Herr Burger Meister den 5 vndt 6 Apbril gem. tag gehalten. Vndt sie die fleischhacker, einen Jeden Insonderheit Befraget, dass sie alle 17 Stath meister vor rath vndt gem. auss gesaget sie könen nimermehr hacken ein E.R. hat ihnen Halb Steuer nach gelassen, sie solten sich erkleren wie sie könten noch nichts versprechen, sondern sie haben kein Geldt zum Hacken etliche haben sich 4 Verlauten Lassen sie wollen hacken. Allein man solte auss der gem. Leuth mit schickhen auff den Heyling stainer Marckh die da sehen wie theur sie ein kauffen. nach denselben wollen sie mit Rath vnd gem. schlissig werten, wie sie ess ihns künfftig könen hacken, Welches den auch also ist geschehen, das man ihrer 4 hat mit ihnen geschicket, die dar haben gesehen, ihren ein kauff. Vndt Rath vndt Gem. Berichtet dass sie 48 Ochssen haben kaufft, die Kosten 1383 Reichstaller. Vndt ist das pahr auff 8 ½ Zentner geschäzt worten. Durch vnndt durch, also ists ihnen zum ostern diesse 48 ochssen Verwilliget worten. zu hacken dass Ib. per 8 vng. das Kälbere vndt Junge Lemere auch vmb 8 vng. In gey pencken, vmb ein halben vng. rechter.

 

Anno 1683 Jährige Begebenheit. Alhier vnd Ihn Vngerlandt.

 

Item den 8 January dieses 1683igsten Jahr. Ist die Mu­sterung auff den Rathhauss ergangen, Vnd seyn die ämpter vnd ihn der riterschafft die offizierer widerumben verenderth vnd den Kartollischen Stath haubtman, vnd Stath Fenderrich abgesezet, vnd Evangellische eingesezet an stath ihrer worten, vnd alle ämpter gleich eingetheilt worten vndter die Beydten Relligion. Vnd ich bin disen Tag von E. E. Rath von übergeher dienst entlassen, vnd zu einen Bergmeister erwölth worten.

Item an S. Georgen Tag. Ist ihn disen 1683 Jahr kein Kay. Commisary herkommen, sondern haben die Burger ihre Freyen wahllen gehabt, vndt den ein gesezten Evangellischen Stathrichter widerumben Confermiert, vnd den Kartollischen Burgermaister herrn Mathias Preyner entlassen, seynes Amptes, vndt einen Jungen herrn, einen Kartollischen, zu einen herrn Burgermaister erwöhlt, welcher nur erst 1 Jahr ist in den rath gewessen. Namens Michael Kerscheniz. welcher in der vor Stath auff der Sandtgrueb hat seyn haus gehabt, vndt darinnen gewohnet, aber die Gem. hat ihm mith dem Zöpter nicht her auss ihn seyn hauss Begleith. sondern hat solchen ihn des heern Gregor Nätl alss henrn Stathrichter seynen hauss abgeleget, ihn welches hauss eine Ersame Gem. alle Bedte auff einmal hat begleith. Ist auch ein Evangellischer Stath Kammerer worten. Alss hr. Georg Kämpel: vnd hat eine E : Gem. geschossen, wen der hr. Burgermeister Kar­tollisch ist, so sollt der Stath Kammerer Lutherisch seyn. ist der Burgermaister aber Lutherisch, so sollt der Kammerer Kartollisch seyn. welches den auch alsso ist Obserfirth Wor­ten, was ein E. Gem. geschlossen hat. von einen E. rath.

 

Auff Merckung über dass 1695igste Jahr.

In dissen 1695igsten Jahr, haben Wirs mehr Eine gumbenier fuess Völcker in der vorstath ein quatierter gehabt. Von den Alt starnbergerischen Regemendt. Vnter den Haupt­mann Graff Georger, disse seyn der gestalt ein quatiert wortetn. das man hatt in ersten Viertel angefangen die ganze gunibanier ein zu legen den Burgern, nach deme er hat seyn Vermögen gehabt, hatt er miessen den Soldaten haben 14 tags der andere 8 tag eines theil ihrer zwen nur 8 tag, nach deme man hat gesehen was der Mann hat, vnd wie er in seyn Vermögen bestehet, hat man in den Soldaten auff gewisse tag ein geleget derselben in Natura zu verpflegen, vnd seyn alle 16 tag auss gequatiert worten. von einen Viertl in das andere.

 

In dissen Wünther hat ess auff die Viellen Mäuss ein solchen harten winter mit Schnee gehabt, dass man in den weyngarten nicht vor dem Schnee hat arbeyten könen, son­dern ist dass schneyden alss in den frielling hin auss verbliben da man hat endlich den Schnither des tags 6 gr. geben.

Item zu den Ostern ist das Ib. rindtfleisch vm 8 vng worten. dass Kälberne vm 10 vng. vndt Jung lämere auch vor 10 vng. Item zum Pfingsten ists vm 9 vng worten das Ib. rindtfleisch. das Kälberne ist vnd das lemere in vorigen preiss verbliben.

 

Anno 1684.

Item In disen 1684igsten Jahr, Ist ein solcher harten Wünther gewest, dass vnssere früen weyngarten, nach dem See alle erfrohrn, wie auch alle Bodten weyngarten.

 

Item In disen Lang anhalteten winter seyn die Haydtbaurn über den See alle Tag, mit etlichen wagen herü­ber gefahren, haben alhier dass Brodt auf kaufft, wie sie alhier ein Laib Brodt vmb 4 gr. haben ein kaufft, haben sie drüben vmb 7 vndt 8 gr. geben, Haben auch Viel Handt müllen Lassen alhier Bey den Stainmezen machen, vndt mit Ihnen hin über gefirth. dass sie haben drauff gemallen, darmit sie nicht des Hunger sein gestorben, weiln ihn vergangene iahr von den feundt die Müllen alle verbrendt seyn worten, vnd wie sie erzölth haben, so haben sie des tags auf einer solchen Handt-müll zu 3 Laib Brodt herab flach gerüben, vndt gemallen.

Item zu aus gang, des January dises 1684igsten Jahr, haben Ihr May. ein Manifestum an die Stath alhier, wie auch an alle gespanschafften geschicket, dieses Inhalts dass man solt auff den 24 february. nach Prespurg zur Commis-sion, welche aldta solt gehalten werten erscheinen, dorten seine Clag vor Bringen, da wirdt ein Jeder von deme gefolmechtigten, welchen er an stat seiner wirdt Hin schicken aussrichtung geschehen, welches war der Herzog von Lothring. deme ihr May. haben abgeordtnet.

 

Anno 1704 Begebenheit  

Den 5 Jenner Welches war der Sontag vor heylligen drey König da Kommen vmb Müttag etliche husarn an dass Wienerthor Welche man aber nicht gleich herein gelassen sondtern haben Warden müssen Biss das sie ordre Bekommen haben von hr. Burgermeister, wie auch von Graff Forgatsch Welcher damall da war dieser Graff sagte allhier er Were gewiss dass der Feindt. alss Nemlich der Wertschiny herüber were gegangen auff Bapa vnd Wesprin, Were auch nicht änderst den die Donau hat gefroren an den armen wie auch die Rebze vnd die Rab vnd ist also den Sontag an heil drey König tag Ein solcher auflauff schon allhier worden alss wan der Feindt schon vor dem thor wäre da haben die Leudte Nachmittag so viel Wein auss der Vorstadt hinein geführt dass also kein Mensch darüber gedacht hätte.

Den 6 Jenner hat der Landag allhier sollen werden wegen der Rebellion aber es ist solches understöllig Blieben den die Rabauer Begehrten den Karolly auf diesenBoten herüber Welcher auch gleich ankommen war vndt wurde also dieser Landtag zu Nichte.

Den 22 dito als am freytag da Giengen vnsre Leute ihrer 54 hinab zum Seegen hüten vnd Bekamen eine Schöne Beute an Ochsen Wägen vnndt Rösern.