Home Team Kirche
Das Wandorfer Paulinkerkloster Drucken
Um die Jahrhundertwedne 1700 erlebte das Klaster seine Blütezeit, da die gymasiumswürdigen Schüler der Jesuiten in Ödenburg als Novizen für die philosophischen Fäöcher zu den Pauliner Professoren nach Wandorf in das hiesige Ordenshaus überstellt wurden.
 
Einführung der Reformation Drucken
a) Allgemeines
Vor diesem Unglück flohen die Pauliner nach Wiener-Neustadt. Das Kloster und die Kirche verödeten völlig, und die 50 Loch Äcker, die bereits dazu gehörten, blieben ungenutzt, bis die Stadt Ödenburg dieselben in Pacht nahm und dafür einen jährlichen Zins von 32 Pfund Pfennigen an die Ordensbrüder in Wiener-Neustadt entrichtete. Die Paulinermönche waren schon seit etwa hundert Jahre von Wandorf fort und konnten so dem zu dieser Zeit aufsprossenden Luthertum keine Hindernisse in den Weg legen. An die Stelle der ebenfalls geflohenen katholischen Priester von Agendorf und Loipersbach kamen evangelische Prediger und Lehrer, die das verlassene Volk mit Gottes Wort und Luthers Lehr trösteten und stärkten.
 
Die Zeit der Gegenreformation Drucken
a) Loipersbach wird Muttergemeinde
Zu der Zeit, da Heinrich Trost als Pfarrer in Agendorf und Ödenburg wirkte, setzte unter Kaiser Leopold I. die Gegenreformation in Ungarn mit den unmenschlichsten Mitteln ein und verursachte auf kirchlichem Gebiet große Veränderungen, so auch in unserer Kirchengemeinde. Das erste wichtige Ereignis dieser Zeit war, dass die Filiale Loipersbach in eine Muttergemeinde umgewandelt wurde. Die eigentliche Veranlassung dazu war die Vertreibung des evangelischen Pfarrers von Walbersdorf, namens Michael Marquardus. Der für die verfolgten Evangelischen zuständige Grundherr, die Stadt Ödenburg, setzte daher in ihr am weitesten nach Westen vorgeschobenes Dorf Loipersbach einen eigenen Prediger ein, damit die verwaisten Lutheraner aus Walbersdorf und Pöttelsdorf kirchlich versorgt werden konnten.

b) Pfarrer Matthias Rosner und seine Zeit in Agendorf-Wandorf
Agendorf und Wandorf waren zu jener Zeit (17. Jahrhundert) ganz evangelisch. In den Jahren 1665/66 wurden zwei katholische Personen durch den evangelischen Pfarrer beerdigt, was sicher nicht geschehen wäre, hätte sich im Orte ein katholischer Priester befunden.

Die unehelichen Kinder, deren es nur sehr wenige gab, wurden in einem besonderen Anhang des Kirchenbuches als "Bankerte" matrikuliert. Auffallend ist, dass im Totenbuche auch viele Steiermärker, Kärntner und Österreicher eingetragen sind, die während der dort viel früher ausgebrochenen Glaubensverfolgung als Exulanten bei uns Zuflucht gefunden hatten und hier starben.
Die Bewohner waren zu jener Zeit als Leibeigene Ödenburgs ziemlich arm und übten irgendein Handwerk aus, wenn sie nicht Bauersleute waren. So werden unter ihnen Schuster, Schneider, Leinweber, Färber, Nagelschmiede, Löffelmacher, Zimmerleute usw. erwähnt. Sie waren aber zufrieden und dankten Gott für alles, womit er sie segnete. Die Wandorfer, wie auch die Agendorfer, standen mit den Bürgern von Ödenburg in einem regen freundschaftlichen Verkehr. Bürgermeister Leopold Natel, Rektor Daniel Tiefftrunk, Edelleute wie Anna Elisabetha freie und edle Herrin von Osterburg, Katharina Barbara Freie von Herberstein, sowie viele vornehme Bürger erscheinen oft als Taufpaten, und zwischen Pfarrer Rosner und seinen Amtskollegen in Ödenburg und Loipersbach, sowie den Lehrern und Lyzealprofessoren bestand das schönste brüderliche Verhältnis.

Vom 15. April 1673 an wurden überraschend die Kinder von Loipersbach und Pöttelsdorf zur Taufe nach Agendorf gebracht, ebenfalls fanden die Trauungen mehrerer Brautleute aus jenen Gemeinden hier statt. Daraus ist ersichtlich, dass mit der Vertreibung der evangelischen Geistlichen vom Ödenburger Stadtgebiet in Loipersbach begonnen wurde.

c) Wegnahme der Kirchen
1. Der entscheidende Schlag wurde Anfang 1673 mit der Wegnahme der Kirche in Loipersbach geführt, dessen Grundherr inzwischen der Bischof von Raab geworden war. Der Ortspfarrer H. Chr. Fomann wurde durch den Erzbischof Szelepcsényi abgesetzt, die Geschworenen nach Kroisbach zitiert und ins Gefängnis geworfen, wo sie bis zum letzten April des folgenden Jahres schmachteten. Da wurde ihnen dann ihr neuer katholischer Pfarrer, der Kroate Stefan Rasenits vorgestellt. Sie wurden gezwungen, ihm die Schlüssel ihrer Kirche und das Taufbuch zu übergeben. Pfarrer Fomann taufte zuletzt am 16. Februar 1673 das Söhnlein Matthias der Pöttelsdorfer Familie Pauschenwein; danach verschwindet seine Spur. Er wird wohl ins Exil gewandert sein.

2. Am 22. Dezember 1673 ereilte Agendorf das gleiche Schicksal. An diesem Tag erschienen die Beamten des Raaber Bischofs in Begleitung eines kaiserlichen Hauptmannes und etlicher Kriegsknechte im Dorfe, nahmen die Kirche gewaltsam in Besitz und untersagten Pfarrer Rosner bei Todesstrafe, dieselbe je wieder zu betreten. Er nahm seinen Wanderstab und ging. Doch am hl. Christtag trieb' s ihn zurück mit unwiderstehlicher Gewalt. Als seine Gemeinde ihn wieder erblickte, da erhob sie sich wie ein Mann und nahm die Kirche wieder in Besitz. Pfarrer Rosner predigte am 2. Weihnachtstag vor der vollzählig versammelten Gemeinde. Dann blieb er noch bis zum 7. Januar 1674 hier, hielt noch zwei Taufen und schloß das von ihm angelegte und so schön geführte Kirchenbuch mit den ergreifenden Worten:
"Bis hierher Matthias Rosner, gewesener Evangelischer Prediger obgesetzter beiden Gemeinen, itzo aber Exul Christi, so lang Gott will!"
Hierauf ergriff er abermals den Wanderstab und verließ mit Weib und drei kleinen Kindern in der ärgsten Winterkälte unter den Segenswünschen seiner Gläubigen Agendorf, um nie wieder zurückzukehren. Er zog nach Deutschland und wurde 1679 zu Altenburg Hofprediger des Herzogs Friedrich von Sachsen.

3. Auch Wandorf wurde nicht verschont. Kurz vor Weihnachten 1673 zog "der Kroisbeckerische Bischof. . . mit dem Obristen Zeuß an der Spitze von Reitern" von Wolfs und Harkau kommend nun auch nach Wandorf und nahm den Evangelischen mit Gewalt die bisher benutzte St. Magdalenen-Kapelle ab. Zu Ostern 1674 feierten die Ödenburger Katholiken unter Führung des "Stadtpfarrers" schon mit einem öffentlichen Umzug die Auferstehung und zogen am Ostermontag in einet großen Prozession, der sich auch die Franziskaner und die Zöglinge der Jesuitenschule angeschlossen haben, nach Wandorf. Ebenso veranstaltete am 4. Sonntag nach Pfingsten, 1674, die Kongregation "Corpus Christi" abermals eine Prozession nach Wandorf, wo dann eine besondere Andacht gefeiert wurde. Man wollte eben nichts unversucht lassen, um die dortigen vielen "Ketzer" nun auch mit solchen "geistlichen" Mitteln zur "allein-seligmachenden Kirche" zurückzuführen.

Quelle: Wandorf - Geschichte und Entwicklung
Die Geschichte und Entwicklung eines ehemaligen Stadtdorfes Ödenburgs
Hans Degendorfer, Matthias Ziegler (1991)


 
Die Zeit des Toleranzdeliktes Drucken
a) Vorboten einer besseren Zeit
Eine Erleichterung brachte für die Evangelischen das Jahr 1773, da durch Papst Clemens XIV. der Jesuitenorden aufgehoben und durch Maria Theresia des Landes verwiesen wurde. Gleichzeitig ist Loipersbach aus dem Besitz der Günser Jesuiten wieder in den Besitz der Stadt zurückgekommen.
 
Die Maria- Magdalenen- Kapelle Drucken
Neben der Bergkirche gab es in Wandorf noch ein zweites katholisches Gotteshaus: die Maria-Magdalenen-Kapelle, auch Dorfkirche genannt. Sie steht in der Kirchgasse, gegenüber vom Gemeindewirtshaus. Urkundlich wurde sie erst im Jahre 1397 erwähnt, aber es gibt gesicherte Anhalts- punkte dafür, daß die Erbauung der Kirche vor 1291 datiert werden kann, wahrscheinlich schon in das 12. Jahrhundert. An ihrer Stelle befand sich ursprünglich eine keltische Siedlung und später ein römisches Gutshaus (villa).
 
Aus der ältesten Geschichte der Gemeinde Drucken
Die älteste Geschichte Wandorfs ist in Dunkelheit gehüllt. Die Gemeinde kam bereits im Jahre 1277 in den Besitz der Stadt Ödenburg und blieb bis 1848 deren leibeigene Stadtgemeinde. So war das Schicksal Wandorfs eng mit der Geschichte seines Grundherren verbunden.
 
Die ersten Unterdrückungen der Protestanten Drucken
a) Der Kalenderstreit und seine Folgen
 
Im Jahre 1576 bestieg König Rudolf den Thron, und mit ihm begann eine traurige Zeit der Verfolgung und Unterdrückung für die Evangelischen. Papst Gregor XIII. führte im Jahre 1582 den neuen, sog. Gregorianischen Kalender ein, doch die evangelischen Länder wollten davon nichts wissen. Auch die Ödenburger Lutheraner unter Führung ihrer Geistlichen sträubten sich gegen die Einführung des neuen Kalenders. Als Strafe für diese Opposition wurden 1584 sämtliche evangelische Pfarrer Ödenburgs und die zur Stadt gehörenden Dörfer, also auch von Agendorf, vertrieben.
 
110 Jahre ohne Pfarrer und Kirche Drucken
a) Filialgemeinde von Ödenburg
Wie in Agendorf und Loipersbach wurden um 1673/74 sämtliche evangelischen Prediger und Lehrer von ganz Ungarn aus ihren Ämtern verdrängt und die Kirchen den Katholiken übergeben. Zwar räumte 1681 der Landtag in Ödenburg den Evangelischen je zwei sogenannte "Artikularkirchen" ein. Diese lagen jedoch in den ungarischen Ortschaften Nemeskér und Vadosfa, an den entlegensten Orten des Komitates Ödenburg und kamen somit für unsere deutschen Gemeinden nicht in Betracht.
 
Die Bergkirche Drucken
Die beinahe tausendjährige Geschichte der Wandorfer Bergkirche wird hier kurz erzählt. In einer an die Stelle der heutigen Kirche auf die Felsenspitze über dem Krebsenbach gebauten Kapelle lobten aus Bayern stammende fromme Eremiten den himmlischen Vater und verehrten den hl. Bischof Sankt Wolfgang. Die nach der kleinen Kapelle folgende und im gotischen Stil im Jahre 1441 erbaute Kirche wurde bald ein beliebter Wallfahrtsort. Nicht bloß von der Umgebung, sogar von weiten Ländern kamen Könige, Adelige, Reiche und Arme zu der "Maria Wondorf". Inzwischen war der Gnadenort verschiedenen Gefahren ausgesetzt; er sah glorreiche und traurige Zeiten, genoß Glanz und Verlassenheit. Solche wechselvolle Vergangenheit schildert dieses Werk, worin lesend wir einen Einblick bekommen in schwere Jahrhunderte unserer Heimatgeschichte, mit welcher das Schicksal der Bergkirche ganz verbunden war.
 


©2002-2012 www.oedenburgerland.de