Home Team ev. Kirche (von Prof. Pröhle)
Vorwort Drucken
"Es gibt nur ein Wandorf." Dies pflegte der wiederkehrende Schlußsatz der Wandorfer Ureinwohner zu sein, wenn sie von Wandorf sprachen. Die Liebe zur Heimat spricht aus diesen Worten. Fremde blicken oft geringschätzig auf das ärmliche Dorf mit seinen engen Höfen, doch die Eingeborenen lieben diese kleinen Hauser, die sich im Tal und an die Hügelabhänge anschmiegen, und die sie oft durch ihrer Hände Arbeit geschaffen haben. Sie lieben auch die herrliche Umgebung Wandorfs. Nicht nur des trockenen Holzes, der Pilze und Beeren wegen gehen sie in die Wälder, sogar die alten Frauen zieht es dort hin, um gute Luft zu schöpfen und den Vogelsang zu genießen. Wenn Wandorfer in stiefmütterlichen Zeiten gezwungen waren in der Fremde ihren Unterhalt zu verdienen, so kamen sie, wenn irgendwie möglich, zurück, denn "Es gibt ja nur ein Wandorf."
 
Die Ausbreitung der Reformation Drucken
Die Pauliner flüchteten 1529 vor den Türken nach Wiener Neustadt und kehrten erst ungefähr 100 Jahre später zurück. Inzwischen breitete sich die Reformation aus. Die katholische Kirchengemeinde Wandorf schloss sich der Agendorfer Pfarrei an. Ein selbständiger evangelischer Geistlicher war nicht vorhanden: Der Rat der Stadt stellte einen evangelischen Pfarrer mit Sitz in Agendorf für die westlich von Odenburg gelegenen Stadtdorfer Agendorf, Wandorf und Loipersbach. Das Volk war evangelisch geworden. Die kleine Kirche wurde nun von den Evangelischen benutzt.

Quelle: Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde in Wandorf
Prof. Pröhle (1950), übersetzt aus dem Ungarischen von Matthias Ziegler


 
Das Toleranzedikt Drucken
Das im Jahr 1781 in Kraft getretene Toleranzedikt fand in den drei benachbarten Gemeinden gut über 100 evangelische Familien vor. ( In Agendorf, Wandorf und Loipersbach zusammen 1.900 Seelen). so daß dieselben 1783 Matthias Harnwolf zu ihrem Seelsorger berufen konnten (1783-1809). In dieser Zeit organisierte sich die Gemeinde, baute eine Kirche und gründete eine Schule. Die Bevölkerung Wandorfs half munter beim Agendorfer Kirchbau mit. Gemäß dem Ordens - Erlaß Kaiser Josef II. wurde 1786 das Wandorfer Pauliner-Kloster aufgelöst.
 
Edmund Scholtz Drucken
Im Jahre 1893 wählte die Gemeinde Edmund Scholtz zu ihrem Pfarrer. Scholtz wurde am 27.1.1869 in Oberungarn (Zips) geboren. Zwei Jahre war er Kaplan Fleischhackers und 47 Jahre Geistlicher der Gemeinde.
 
Die Verstaatlichung der Schule Drucken
a) Die Sanierung des Gemeindehaushalts.

a) Die Vorgeschichte der Verstaatlichung.
Die Generalversammlung der Diözese forderte 1901 die Gemeinde auf, dass sie in Anbetracht der grossen Kinderzahl einen dritten Lehrsaal baue und eine dritte Lehrerstelle einrichte. Die Schülerzahl überstieg schon bald die 200 und wurde dennoch nur von 2 Lehrern unterrichtet.
 
Erste Angaben aus dem Mittelalter Drucken
Der Name Wandorfs: Zoan, Zuan, Wandorf, Wondorf, Bondorf, Bánfalva, Sopronbánfalva. Der älteste schriftliche Beleg: Die vom 20. November 1277 datierte Urkunde des Königs Ladislaus IV., in der er dem Ödenburger Richter Stefan das Zuan genannte Grundstück aus dem Ödenburger Burgeigentum verlieh. Die Einwohner waren damals, 1292, Magyaren, Leibeigene der Stadt. Die im Ortskern stehende, im romanischen Stil erbaute Sankt Magdalenenkirche stammt noch aus der Arpadenzeit. Im 14. Jahrhundert entstand auf dem heutigen Klosterberg eine kleine Kapelle mit einem tragbaren Altar, die im Jahre 1454 zu Ehren des Heiligen Wolfgang geweiht wurde. Die Kirche erhielt 1482 das Wallfahrtsrecht und wurde so ein beliebter Wallfahrtsort.1482 gründete die Stadt das Pauliner - Kloster, und seitdem betreuten die Pauliner die Einwohner des Dorfes.

Quelle: Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde in Wandorf
Prof. Pröhle (1950), übersetzt aus dem Ungarischen von Matthias Ziegler


 
Die Zeit der Gegenreformation Drucken
Voll 1584 bis 1606 hatten weder die Stadt noch die umliegenden Gemeinden einen evangelischen Pfarrer. Die Evangelischen mußten in Neckenmarkt und Deutsch - Kreuz den Gottesdienst besuchen.
 
Das 19. Jahrhundert Drucken
a) Die schnelle Entwicklung der Gemeinde.
Auffallend war der Bevölkerungszuwachs, der weit über dem Landesdurchschnitt lag. Von 1816 bis 1900 stieg die Bevölkerungszahl von 820 auf 1.578. Dieses grosse Wachstum wurde durch eine überdurchschnittliche Vermehrung verursacht. Die klein angelegte Einwanderung kam mehr den Katholiken zugute. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug knapp 900 Katastraljoch. Davon waren 240 Joch Wald und 600 Joch Anbaufläche. Das Land war zu zerstückelt, es bot der wachsenden Bevölkerung keine Arbeitsmöglichkeit und Lebensunterhalt. Die Gemeinde zeigte äußerlich weiterhin den Charakter eines Dorfes, aber ihre soziale Struktur änderte sich. In der ursprünglichen Agrargemeinde fanden wir am Ende des Jahrhunderts nur noch 30 - 35 Bauern und dreimal so viel Kleinhäusler. Der Großteil der Bevölkerung arbeitete in den Ödenburger Fabriken und in der Brennberger Kohlengrube. Außerdem fanden viele im Handwerk und Handel eine Anstellung. Nachdem der ursprüngliche Dorfcharakter verlorengegangen war, aber der ordnende Verwaltungsapparat der Stadt fehlte, glich Wandorf mehr und mehr den übelbeleumdeten Vorstädten.
 
Das Aufblühen der Gemeinde Drucken
a) Die Sanierung des Gemeindehaushalts.
Edmund Scholtz begann nach seiner Wahl mit jugendlichem Schwung die äußeren und inneren Angelegenheiten der Gemeinde zu ordnen. Tatkräftig drängte er auf die Eintreibung des aufgelaufenen Kirchensteuerrückstandes. Sogar von einer Inanspruchnahme des Gerichtsvollziehers schreckte er nicht zurück! Er drängte auch, daß die Kirchengemeinde ihre Schulden bei der Witwe Karl Fleischers und die vom Schulbau 1887 zurückgebliebenen Schulden beglich. So konnte er dann 1902 bekanntgeben, dass die Kirchengemeinde seit Jahrzehnten wieder schuldenfrei sei.
 
Die innere Umwandlung der Gemeinde Drucken
a) Die Überbevölkerung
Das rapide Wachstum der Gemeinde hielt in diesem Zeitrum weiter an. Die Seelenzahl der Gemeinde:
Jahr Bevölkerung
1900 2.225
1910 2.789
1920 2.995
 


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