kalchbrenner josef-1a) Seine Wahl, Besoldung und Einführung
Die Kirchengemeinde war nun darauf bedacht, Harnwolfs Stelle mit einem würdigen Nachfolger zu besetzen. Bei der am 12. Januar 1.810 anberaumten Wahl, bei der die Herren Gottlieb Gamauf, Senior in Ödenburg, Senioratsnotar Waltersdorfer von Kobersdorf, Seniorat-Koinspektor von Artner und der Lokalinspektor von Torkos anwesend waren, wurde von vier Kandidaten Josef Kalchbrenner mit großer Stimmenmehrheit gewählt
 
Dem Neugewählten wurde von Seiten der drei Gemeinden jährlich folgende Bezahlung zugesichert:
150 fl bares Geld, am Georgi- und Michaelistag zu entrichten
64 Metzen Weizen und 64 Metzen Kom
12 Klafter Holz und 200 Bürteln, unentgeltlich in den Pfarrhof zu führen und klein zu hacken
 
An Stola-Gebühren:
a) von einer Leiche in Agendorf 24 Kreuzer
in Wandorf aber, wenn keine Fahrgelegenheit geschickt wird, 48 Kr.
b) von einer Leichenpredigt 1 fl

 

c) für eine Vorsegnung 24 Kr.

d) für eine Copulation 45 Kr.
An Wein, von Agendorf 8 Eimer, a 84 Halb. von Wandorf 1 Eimer, a 84 Halb.
Für eine Kuh hinlängliches Futter an Heu, Grumet und Stroh.
 
Übrigens wurde auch versprochen, was zum nötigen Unterhalt weiter fehlen sollte, wenn es im Vermögen der Gemeinde steht, willig und frei zu bewerkstelligen. Außerdem wurde noch versichert, dass seine Forderungen nach Errichtung eines Gartens und der Gratisfuhren in die Nachbarschaft erfüllt werden sollen.
 
In Josef Kalchbrenner erhielt die Gemeinde einen vielseitig gebildeten und überaus tätigen Nachfolger.
 
b) Anschaffungen und Neuerungen
 
Schon im gleichen Jahre veranstaltete der neue Pfarrer zur Anschaffung eines Kelches für Krankenkommunionen und zur Ausbesserung der Schließen an 3 Chorröcken eine Haussammlung, die den überaus großen Betrag von 412 fl. ergab. So konnten nicht nur die angegebenen Gegenstände, sondern auch noch 6 große Messing-Altarleuchter angeschafft werden.
 
c) Einführung eines neuen Gesangbuches
 
Gleich im ersten Jahre seines Hierseins hatte Pfarrer Kalchbrenner der Gemeinde die Anschaffung eines zweckmäßigeren Gesangbuches empfoh- len. Die Gemeinde bewilligte nach einigen Bedenken die Einführung des neuen Ödenburger Gesangbuches. Mit Anfang des Kirchenjahres 1812 wurden auch die von Pfarrer Kalchbrenner selbst herausgegebenen Lei- chengesänge bei besonderen Anlässen in Verwendung genommen.
 
d) Einführung der Kirchenzucht
 
Im Neujahrsgottesdienst 1812 hielt es Pfarrer Kalchbrenner für nötig, die "jungen Leute" ernstlich zu rügen. Er führte u. a. aus:
 
"Ihr habt mir in dem verflossenen Jahr durch euer Verhalten wenig Freude gemacht; die ganze Zeit, durch welche ich euer Prediger bin, habe ich nicht so viel Gefallene copuliert, als in diesem Jahr" . . ."Höret also, wie es, wenn ihr euch nicht ordentlich und züchtig aufführt - mit euch gehalten werden soll." Hierauf kündigte er die Einführung einer dreifachen Kirchenzucht gegen sie an und schloss seine Ermahnungen also: "Ich wünsche, dass ich nicht genötigt werde, diese angedrohte Strafe gegen eins unter euch in Ausübung zu bringen. Lasst euch daher warnen und legt mit dem alten Jahr auch eure alten Unsittlichkeiten und bösen Gewohnheiten ab, damit Gott und ehrliebende Menschen an euch Wohlgefallen haben können."
 
e) Superintendent Kis hält Kirchenvisitation
 
Am 1. April 1816 hielt Superintendent Johann von Kis feierliche Kirchenvisitation und fand zur großen Freude alles in bester Ordnung.
 
f) Kalchbrenners Berufung und Abgang nach Pest
 
Indessen war der Name des gelehrten Predigers allseits bekannt geworden und die ersten Gemeinden des Landes wetteiferten, um ihn für sich zu gewinnen. Am 2. Mai 1818 erhielt er einen sehr ehrenvollen Ruf nach Preßburg, worauf die Gemeinde Agendorf sein Gehalt um 150 fl aus der Kirchenkasse verbesserte. Aber schon im September desselben Jahres er- hielt er von der damals hochangesehen deutschen Kirchengemeinde in Pest einen Ruf, den ihm 2 Deputierte überbrachten, doch mit dem Verlangen, dass er eine Probepredigt halten möge. Kalchbrenner lehnte dieses Ansinnen schriftlich ab, in der Meinung, die Sache sei damit abgetan. Doch schon nach 14 Tagen kam eine neue glänzende Deputation, bestehend aus 12 Männern aller Klassen nach Agendorf, die ihm so lange zuredeten, bis er ihrem Wunsche nachgab. Er hielt am 24. Oktober 1819 seine Abschiedspredigt und reiste am 30. ab, begleitet von den Segens- wünschen der Gemeinde, bei welcher er zehn Jahre mit Lust und Liebe gelebt und gewirkt hat.
 
Quelle: Wandorf - Geschichte und Entwicklung
Die Geschichte und Entwicklung eines ehemaligen Stadtdorfes Ödenburgs
Hans Degendorfer, Matthias Ziegler (1991)