Im Ödenburger Stadtarchiv befinden sich etwa 20 königliche Urkunden und Schriften, die Wandorf vor der Katastrophe von Mohács (1526) betreffen. Sie wurden mit den anderen Urkunden der Stadt von Dr. Hazi Jenö, Stadtarchivar, veröffentlicht. Aus diesen stammen folgende Daten:
 
Nach Wandorf hat die Stadt zu Eigentum erworben: Wolfs (1325 bzw. 1342), Agendorf (1373), Mörbisch (1392), Klingenbach (1416), Harkau (1429), Kolnhof (1430), Loipersbach (1547). Die Ausdehnung ihrer Gemarkung betrug danach 40000 Joch. Die Stadt hatte auch genügend Geld, um auch das Eigentum von jenen ihrer Bewohner nacheinander aufzukaufen, die in ihren Mauern wohnten oder dorthin Zuflucht suchten. Dr. Hazi kam in seinen Veröffentlichungen auch zu der Feststellung, dass sich im Archiv vor der Katastrophe von Mohács, keine ungarischen Schriften befinden. Die Schritten waren in lateinischer oder deutscher Sprache verfaßt. Ein Beweis dafür, dass die Stadt damals keine ungarischen Familien beherbergt hat. Diese fanden erst nach Mohács (1526) Aufnahme in der Stadt. Es waren Flüchtlinge vor den Türken.
 
Hier möchte ich auf einen Artikel .von Dr. Tompos Jenö hinweisen, in dem dieser festgestellt hat, dass das Ödenburger Stadtarchiv, nach dem Staatsarchiv das zweitgrößte in Ungarn, vollständig erhalten geblieben ist und große Teile noch nicht erforscht sind. Die vollständige Erschließung des Archivs könnte ein verändertes Geschichtsbild von Ödenburg ergeben. Aus den Wandorfer Urkunden ergeben sich folgende Einzelheiten: Graf Wilhelm von Forchtenau hat im Jahre 1438 den Stadtrat ersucht, 1 Faß Wein von" Wandorf" in seine Burg "Kobersdorf" liefern zu dürfen. In einer Urkunde aus dem Jahre 1477 erklärt der kaiserliche Kapitän, Graf Wilhelm Tierstein und der Stadtrat von Wiener-Neustadt gemeinsam, die Ernte von Ödenburg und fünf ihrer Gemeinden (darunter auch Wandorf) nicht zu stören und für sechs Wochen Frieden zu halten. Es gab kriegerische Auseinandersetzungen zwischen dem ungarischen König Matthias und dem deutschen Kaiser, Friedrich III., der Wiener-Neustadt zu seiner Residenz machte.
 
Von materiellen Sorgen berichtet u.a. eine Urkunde von 1467, worin der Richter von Wandorf, namens Pierenstingel und die Einwohner anerkannt haben, dass sie vom Altersfonds der St. Michaelis-Kirche von Ödenburg eine Anleihe von 15 Pi. Denar erhalten haben. Im selben Jahr wurde im Flur "Burgenfeld" ein Stück Land in Pfand gegeben. Im Jahre 1510 befreite König Ulaszlo II. die Wandorfer Fronbauern von der außerordentlichen Steuer und 2 Jahre danach werden alle Stadtdörfer auf die Dauer von 10 Jahren von der Steuer befreit, da die Besitzer der Burg Landsee (Witwe Weißpriach) große Verheerungen angestellt hatten. Zu diesen Raubgesellen gehörte auch ein vornehmer Bürger von Ödenburg, namens Magusch, genannt "Kronperger". In seinem Reuebekenntnis gab er zu, dass er Wandorff niedergebrannt hat. Seine Untaten sind in 10 Urkunden festgehalten. Von der materiellen Not zeugt auch ein Schreiben von 1530, in welchem bestätigt wird, dass der Wandorffer Fronbauer Leonhard Decker seine Schulden an einen Juden, namens "Manus", zurückgezahlt hat. Andere Urkunden berichten über das Kloster von Wandorf und den Pauliner Orden. (Diese werden in dem Abschnitt "Klostergeschichte" abgehandelt.)
 
Quelle: Wandorf - Geschichte und Entwicklung
Die Geschichte und Entwicklung eines ehemaligen Stadtdorfes Ödenburgs
Hans Degendorfer, Matthias Ziegler (1991)